Kultur
Oliver Tolmein
Nachruf auf einen Eigensinnigen
Der Schriftsteller Christian Geissler ist gestorben
Christian Geissler war einer der im deutschen Literaturauftrieb nicht aufging, sondern ihm fremd blieb. Sein Engagement vertrug sich nicht, mit der üblichen Geschäftigkeit. Er schrieb über Klassenkampf und Gewalt, über die Vernichtung der europäischen Juden und den Nationalsozialismus in einer kargen, rythmisierten und manchmal schroffen Sprache, die manchmal verschlüsselt wirkte, aber eigene Perspektiven eröffnete. Weder "kamalatta" noch "Anfrage", auch kein anderer Roman und keiner seiner Gedichtbände sind heute noch über den Buchhandel erhältlich.
Oliver Tolmein
Geschlechterfahnder und Gerüchte
Sarah Gronert will sich nicht mit Boris Becker messen: Unter Sportlern hält man das Geschlecht immer noch für eine Naturkonstante
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 25.08.2008 Seite 40
Bei der Olympiade in Beijing hat das umstrittene Gender Verification Lab seine Arbeit unauffällig beendet. Im Fall der jungen deutschen Tennisspielerin Sarah Gronert zeigt sich aber, dass intersexuelle Sportlerinnen immer noch diskriminiert werden.
Oliver Tolmein
xxy - Eine gute Geschichte unter falscher Flagge
Lucia Puenzos "XXY" ist ein Film über einen Zwitter, der von einer Selbstbehauptung erzählt und symbolisch scheitert.
F.A.Z., 26.06.2008, Nr. 147 / Seite 40
xxy erzählt die Geschichte von Alex, einem 15jährigen Zwitter, der zu sich selbst findet. Der mit vielen Symbolismen beladenen Film steckt voller Assoziationen. Ärgerlich ist der irreführende Titel: "xxy" ist kein Symbol für Zwitter, sondern der Chromosomensatz von Männern mit Klinefelter-Syndrom. Deren Probleme sind aber andere als die über die Puenzo hier erzählt.
Oliver Tolmein
Sieg noch vor dem Start
Das Oberste Sportschiedsgericht in Lausanne hebt die diskriminierende Entscheidung der IAAF auf
F.A.Z. 26. Mai 2008
Oliver Tolmein
Schneller, gleicher - und gesperrt
Der Fall Pistorius und die Folgen: Werden die Paralympics den Olympischen Spielen den Rang ablaufen?
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.01.2008, Nr. 15, S. 35
Der beinamputierte Südafrikaner Oskar Pistorius wurde für die Olympischen Spiele gesperrt, weil er vor nichtbehinderten Läufern einen Vorteil haben soll.
Oliver Tolmein
Leichte Sprache – nicht Sprache light
Hauptsätze sind barrierefrei, ausgefallene Fachbegriffe nur selten.
kompakt (Beihefter der Zeitschrift "zusammen" des Bundesverbandes der Körper- und Mehrfachbehinderten), 3/2006
Warum ist es wichtig "leichte Sprache" zu verwenden und wie macht man es?
Oliver Tolmein
Des Teufels Advokatentracht
Vom Robenzwang zur Krawattenpflicht
F.A.Z., 19.10.2006, Nr. 243 / Seite 42
Die Justiz in Deutschland ist überlastet. Aber im Oberlandesgericht München nehmen sich die Richter trotzdem Zeit für's Wesentliche: Die Kleidungs-Usancen der Anwaltschaft.
Oliver Tolmein
Sind’s so gewohnt
Die richtigen Fragen fehlen: „Ein Junge namens Nina"
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 29.04.2004 Seite 40
Die Reportage über Lyle und Nina, zwei transsexuelle Jugendliche, ist informativ - aber wenig mehr.
Oliver Tolmein
Biokunst der Prozess
Das Verfahren gegen Steve Kurtz vom Critical Art Ensemble
17.7.2004 taz Kultur S. 21
Es könnte eine Provinzposse sein, wirkt aber wie ein Einschüchterungsversuch: Das Verfahren gegen den gentechnikkritischen Künstler Steve Kurtz. Als man ihm keine bioterroristischen Aktivitäten nachweisen konnte, stellte die Staatsanwaltschaft auf den eigentümlichen Straftatbestand "Post- und E-Mail-Betrug" um.
Oliver Tolmein
Sie werden auch Wagen lenken
Transsexuelle bei Olympia
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.08.2004, Nr. 199 / Seite 44
In Athen durften erstmals bei den Olympischen Spielen auch Transsexuelle starten. Für Hermaphroditen gibt es aber immer noch keine Starterlaubnis.
Oliver Tolmein
Diskriminierung durch Rührung
taz Nr. 7607 vom 5.3.2005, Seite 22
Die Filmkritik lobt Eastwoods "Million Dollar Baby" enthusiastisch, die Behindertenbewegung läuft Sturm dagegen. Ein Blick auf eine Kontroverse (nicht nur) in den USA.
Oliver Tolmein
Down oder Nicht-Down
Veröfentlicht in: taz, 27.08.2002, S.15
Stefan Bachmann wollte die Rolle der Ophelia in seiner "Hamlet"-Inszenierung am Königlichen Theater in Kopenhagen mit einer Schauspielerin mit Down-Syndrom besetzen. Trotz des nachfolgenden Streits: Behinderte sind in den Medien und auf der Bühne gut gelitten - aus den richtigen Gründen?
Menschen und Rechte